Diäten der Vergangenheit (Teil 1/3)

Solange ich mich erinnern kann, wechselten sich bei mir immer Diätwochen, -monate oder manchmal auch nur -tage mit unbedachtem Essen ab. Und nach jedem Wechsel wog ich irgendwann mehr. Der berühmt-berüchtigte Jojo-Effekt schlug bei mir also öfter zu, als mir lieb ist.

Wie viel ich in meiner Schulzeit gewogen habe, weiß ich nicht mehr. Dick war ich auf jeden Fall auch da schon. Zu der Zeit war ich noch dem Essen daheim ausgeliefert, und das war nicht gerade kalorien-, geschweige denn fettarm. Und da es mir schmeckte, aß ich wohl regelmäßig zu viel. Hin und wieder versuchte meine Mutter, mich auf Diät zu setzten, indem sie mir bestimmt Lebensmittel und Süßigkeiten verbot. Das Problem war, dass das Abnehmen für mich immer mit Verboten einherging, denn meine Mutter kochte weiterhin deftig und kaufte auch weiterhin Knabbereien und Süßigkeiten, die ich mir dann oft heimlich genehmigte. Gebracht hatten der ganze Verzicht und die Strafen für heimliches Naschen absolut nichts. Heute denke ich, eher das Gegenteil war der Fall. Aber das ist Vergangenheit.

Als ich auszog, und mich selber versorgen musste, lebte ich zunächst mit dem anerzogenen Essverhalten weiter. Nur das Kochen fiel meistens flach, dafür aß ich leckere Wurstbrote. Samstags frühstückte ich oft mit einer Freundin zusammen und wir vertilgten dann zu zweit eine ganze Riesen-Leberwurst (müssen 400g oder 500g gewesen sein). An Fernsehabenden gab es dann Cola und Chips satt, eine Zeitlang auch oft Sekt oder Cola-Rum. Was soll ich sagen? Es war eine tolle Zeit, aber ich nahm noch mehr zu.

Erst meine Kolleginnen während der Ausbildungszeit brachten mich dazu, abzunehmen. Wir waren zu sechst, vier davon schlank, zwei dick. Wir beiden Dicken traten dann in den Wettstreit, denn abnehmen wollten wir beide. Die anderen vier unterstützten uns, indem sie uns immer wieder motivierten. Eine Kollegin überredete mich zu regelmäßigem Sport, und der wurde mit der Zeit immer mehr. Am Ende hatten wie beide ungefähr gleichviel abgenommen, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen. Meine Mitstreiterin verabscheute Sport und aß dafür lieber weniger bis gar nichts. Gar nichts essen konnte ich noch nie, abgesehen davon, dass es auch nicht gesund ist, es sei denn, man fastet richtig.

Mein Speise-Plan sah damals so aus:

Frühstück: 1 Scheibe Vollkornbrot mit Leberwurst (ohne konnte ich damals nicht leben)

Mittags: 1 Körnerjoghurt (meistens der mit der Ecke) und 1 großer Apfel

Nachmittags: abgewogenes Schokomüsli mit Milch

Abends: Gemüse oder Salat und wohl auch mal normal Gekochtes, so genau erinnere ich mich daran nicht mehr.

Mein Sport-Plan war jede Woche:

Abends: Joggen im Schlafzimmer (draußen habe ich mich nicht getraut)

Montags: Tischtennis-Training, ungefähr 1 Stunde

Mittwochs: 1 km Schwimmen, das dauerte bei mir immer 40 Minuten

Freitags: Jazzdance, ungefähr 60 Minuten mit kleinen Pausen

Als ich schlanker war, ging ich dann mit einer Mitbewohnerin meiner WG auch draußen joggen, allerdings nur im Schutze der Dunkelheit. Tja, so ist das mit dem Selbstbewusstsein einer Dicken …

tent-552556_640Einen Spruch habe ich nie vergessen. Den verriet mir besagte Mitbewohnerin, nachdem ich abgenommen hatte. Sie sagte: „Toll, wie du abgenommen hast. Als ich hier einzog, dachte ich bei deinen Slips auf der Wäscheleine ja an kleine Zelte.“

Und was trage ich dann heute? Mannschaftszelte?

Aber das wird sich ändern!

Weiter zu … Diäten der Vergangenheit Teil 2/3

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4 Gedanken zu “Diäten der Vergangenheit (Teil 1/3)

  1. In meinem Elternhaus haben 4 Kinder inklusive mir heimlich gegessen und es entstand immer schlechte Stimmung: „Wer hat denn nun die Schokolade gegessen?“ So was kommt heute noch vor aber nicht mehr so häufig. Diese Sprüche wegen Klamotten wie Segeltücher oder Zelte finde ich immer mies, als können es die Leute nicht einfach bei einem Lob belassen.

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  2. Ich hatte mal eine Freundin, die sehr Übergewichtig war und sich ebenfalls nie ins Schwimmbad getraut hat. Irgendwann sind wir dann doch gemeinsam gegangen. Und jeden, der sie blöd anschaute, hab ich versucht mit meinen Blicken zu ermördern. Ich war so froh das sie sich getraut hat. Gewusst, wie sie sich als „Dicke“ geschämt hat, wusste ich vorher gar nicht. Kat.

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