Raus aus dem Trott

Mohn-am-Wegrand

Das geht meist einfacher als man denkt.

Natürlich möchten diejenigen, die von ihrem Alltag genervt sind, am liebsten alles hinschmeißen und noch einmal neu anfangen. Aber sie trauen sich nicht oder können es nicht tun, weil sie ja für Menschen, die sie lieben, Verantwortung tragen. Und so sinnieren sie jeden Tag erneut darüber nach, wie sie am liebsten leben möchten aber nicht können und fallen dabei in depressive Verstimmungen, denn alles scheint so unerreichbar und aussichtslos.

Phasenweise zähle ich mich zu diesen Menschen. Aber dann kommen wieder Momente oder auch ganze Tage, die mir zeigen, wie schön doch mein Leben eigentlich ist. Man muss es nur erkennen. Und das ist einfacher gesagt als getan. Wenn ich mit dem Vorhaben, das Positive in meinem Alltag zu suchen, durch den Tag gehe, bin ich oft viel zu krampfhaft auf der Suche, und das entspannte, zufriedene Gefühl stellt sich nicht ein. Lediglich der Verstand sammelt und listet die Dinge, die gut sind. Doch das reicht nicht aus.

Heute fühlte ich mich seit dem Aufstehen super. Der Morgen begann in alltagsmäßiger Routine, verlief dann aber doch anders. Einiges ging schief, und trotzdem behielt ich meine gute Laune. An den meisten anderen Tagen wäre ich genervt gewesen, wenn die Büro-Tiefgarage gesperrt war, der Aufzug nicht funktionierte. Ich hätte mich wieder einmal darüber aufgeregt, dass mein Mann noch immer nicht meine Sommerreifen aufgezogen hat (das ist seine Aufgabe ;), auch wenn ich es selber machen könnte, vom Auswuchten mal abgesehen) und ich deswegen nicht so schnell fahren konnte, wie ich gerade Lust und Gelegenheit hatte. Ich wäre viel länger traurig geblieben, weil ich auf der Fahrt an meinen verstorbenen Vater denken und wieder weinen musste. Aber heute ist es anders. Ich frage mich, warum?

Ich glaube, es sind die Kleinigkeiten, die ich schon gestern anders als sonst erledigt habe. Und das Neue, das ich angefangen habe. Anders kann ich es mir nicht erklären und ich bin entschlossen, das bewusst zu wiederholen, um meine Vermutung bestätigt zu bekommen. Vielleicht habt ihr auch Lust, Kleinigkeiten zu ändern und beobachtet dabei eure Laune und Motivation.

Statt mich, wie sonst üblich, mittags nach der Arbeit im Supermarkt abzuhetzen, war es mir egal, ob meine Familie noch genügend Brot daheim hatte. Knäcke tut’s ja in der Not auch, selbst für Männer. Ich ging dann abends aber doch noch spontan einkaufen, erst gegen halb Neun. Danach habe ich sogar noch die Spülmaschine aus- und die Küche aufgeräumt, habe Töpfe und Co abgewaschen und mich schon an dem Gedanken erfreut, heute nach der Arbeit direkt meine Freizeit genießen zu können.

Und dann war da gestern noch die kleine Sitzung im Rathaus, wo die Aufgaben der ehrenamtlichen – und jetzt nicht lachen … – Hundekottütenspenderpaten, zu denen ich mich jetzt auch zähle, besprochen wurden. Es war eine absolut lockere Runde, die unser Bürgermeister da leitete, und ich traf sogar eine alte Bekannte, bei der mein Sohn vor knapp zehn Jahren mal in der Schul-Nachmittagsbetreung war. Wir haben uns nach der Sitzung noch nett unterhalten. Auch der Smalltalk mit den anderen Hundebesitzern tat gut. Unterm Strich fühlte es sich vor allem gut an, etwas Neues zu tun.

Ich denke, auch der Kontakt zu Mitmenschen, ob bekannte, fremde und lange nicht gesehene, wirkt sich positiv auf das Gemüt aus. Ich bin eher ein introvertierter Typ, merke aber, wie gut mir solche Interaktionen trotzdem tun. Und ich scheine im Moment auch etwas auszustrahlen, denn in letzter Zeit häufen sich die Situationen, wo selbst wildfremde Menschen das Gespräch mit mir suchen. Sei es über den Hund, das Auto, das Einkaufen, die Frage nach dem Weg oder auch einfach nur ein „Sie habe ich hier aber lange nicht mehr gesehen“ übern Gartenzaun. Es streichelt die Seele, und ich habe bei keinem dieser Menschen den Eindruck, dass es sie auch nur annähernd interessiert, wie dick ich bin. Das rede ich mir immer nur selbst ein. Also sich nicht über sein Aussehen den Kopf zerbrechen, einfach tun, was einem gefällt. Heute bin ich auch einfach in Jeans und T-Shirt zum Spaziergang aufgebrochen. Sonst trage ich immer noch eine Bluse oder Jacke zum Kaschieren des unteren Birnenteils. Und, was soll ich sagen? Niemand hat mich blöd angeschaut. Im Gegenteil, ich habe die Menschen freundlich gegrüßt und bekam eine genauso freundliche Reaktion zurück.

Wenn ich das nächste mal mit mir und der Welt unzufrieden bin, werde ich mich an diese Punkte erinnern und bewusst Kleinigkeiten ändern und offen und freundlich auf meine Umgebung zugehen.


Hier meine persönliche „Raus aus dem Trott“-Liste:

Lächele!

Lächele deinem Spiegelbild zu, lächele im Auto, erinnere dich an lustige Momente in deinem Leben und lächele dann auch Fremde an.

Geh raus!

Bunker dich nicht ein, denn das Leben ist da draußen. Lass es nicht ohne dich geschehen. Dort wartet die wahre Inspiration für die Seele, ob in der Schönheit der Natur oder dem Kontakt zu den Mitmenschen.

Ändere etwas in deinem Alltag!

Steh zu einer völlig anderen Uhrzeit auf, iss nicht dein übliches Frühstück, gehe/fahre einen neuen Weg, erledige deine Pflichten zu anderen Zeiten, such dir eine neue Aufgabe/Tätigkeit. Hier gibt es bestimmt noch hundert andere Dinge, die man an seinem sonst üblichen Tagesablauf ändern kann. Ein Tag reicht aus, um neue Begegnungen und Erfahrungen zu bekommen. Und falls die Zeit es erlaubt, beginne ein neues Hobby, oder noch besser: eine Sportart.

Schrei dir den Frust von der Seele!

Ich mache das besonders gerne unterwegs im Auto, wenn ich die Musik aufgedreht habe. Laut mitbrüllen statt -singen. Niemand hört dich, und es tut richtig gut, selbst wenn man dabei nicht an die Dinge denkt, die man am liebsten aus seinem Leben eliminieren möchte, aber nicht kann.

Tanze! Egal wie.

Das gibt einem Schwung. Ich tanze zum Beispiel gerne beim Kochen. Selbst im Büro habe ich es schon gemacht, allerdings nur frühmorgens, wenn mich keiner sah. Nur einmal „erwischte“ mich ein Kollege, der gerade vorbeiging. Wir grinsten uns an, und selbst der Moment tat gut und war mir dann nicht mal peinlich.

Es gibt bestimmt noch viele andere Dinge, die die Laune heben. Was macht ihr so, um euch aus dem Alltags-Blues zu holen?

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Raus aus dem Trott

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s