Ghrelin verführt uns

Hormone-Ghrelin-Spiegelmosaik

Meine Recherchen zu dem Hormon Ghrelin haben mich halb verrückt gemacht. Ich versuche zu verstehen, was das Hormon wann in unseren Körpern so treibt, aber scheinbar ist sich die Wissenschaft hier nicht ganz einig. Ich fand einige widersprüchliche Aussagen. Aber zunächst einmal die eindeutigen Informationen, die ich zum Ghrelin gefunden habe.

Was ist Ghrelin?

Ghrelin ist ein Hormon, das vor allem in der Magenschleimhaut gebildet wird und Appetit und Sättigungsgefühl steuert. Bei Hunger steigt der Pegel an und signalisiert das dem Gehirn. Nach einer Mahlzeit sinkt der Ghrelin-Spiegel wieder.

Es wurde festgestellt, dass Übergewichtige einen gestörten Ghrelin-Pegel besitzen, sodass sie ein zu schwaches Sättigungssignal bekommen. Automatisch essen sie zu viel, was sich natürlich als besonders nachteilig erweist, wenn diese Abnehmwilligen sich bemühen, auf ihren Körper zu hören. Da hilft es nur, sein Wissen und den Verstand einzuschalten.

Hier fand ich den ersten Widerspruch, denn es heißt, Übergewichtige haben einen permanent niedrigen Ghrelinspiegel. Wenn dem aber so wäre, und die Aussage, dass der Pegel nach dem Essen, also bei Sättigung, sinkt, dann dürften Dicke ja gar keinen oder kaum Hunger verspüren. So verstehe ich das zumindest.

Wirkung im Schlaf

Nachts erhöht sich der Ghrelinspiegel, es sei denn, die Ghrelinbildung ist durch falsche Nahrungsaufnahme vor dem Schlafengehen gestört. Bei Menschen mit Schlafproblemen erhöht sich der Pegel noch mehr, vermutlich führt das dann auch zum Verlangen nach einem Mitternachts-Snack, der sich wiederum negativ auf die Kalorien-Bilanz niederschlagen kann.

Es gibt Forschungsergebnisse, nach denen Kurzschläfer (weniger als 5 Stunden Schlaf) tagsüber mehr Hunger haben und während einer Abnehmphase durchschnittlich 60% weniger Fett verlieren als Normalschläfer (um die 8 Stunden Schlaf). Der höhere Ghrelinspiegel sorgt für einen eingeschränkten Energieumsatz. Je mehr Ghrelin im Blut, desto langsamer die Fettverbrennung.

Wechselwirkung mit Makronährstoffen

Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit sinkt der Ghrelinspiegel durchschnittlich innerhalb einer Stunde wieder ab. Nach einer fettreichen Mahlzeit dauert es ungefähr drei Mal so lang, das Sättigungsgefühl hält also viel länger an.

Natürlich darf man hier nicht außer Sicht lassen, dass fettreiche Ernährung mit viel mehr Kalorien einhergeht als kohlenhydratreiche. Wenn man das im Blick behält, kann es aber schon Sinn machen, dem Fett den Vorzug zu geben. Allerdings dann bitte den gesunden Fetten. Bei mir habe ich beobachtet, dass mich eine Fisch-Mahlzeit (z.B. Räucherlachs) sehr gut und auch lange sättigt. Allerdings bekomme ich dadurch automatisch mehr Eiweiße, und bei denen widersprechen sich die Informationen wieder. Einmal heißt es …

Eiweißreiche Ernährung hält den Ghrelinspiegel permanent niedriger, man ist eher satt und verspürt weniger Hunger.

An anderer Stelle war zu lesen …

Eiweiße lassen den Ghrelinspiegel steigen und stehen im Verdacht, das Sättigungsgefühl somit zu stören, denn bei höherem Ghrelinpegel verspürt man mehr Hunger.

Mein Fazit

Meiner Erfahrung nach, sättigt mich Eiweißreiches sehr gut, es liegt mir aber auch schwerer im Magen. Kohlenhydrate lassen mich schneller wieder hungrig werden, deshalb ist es wichtig, die richtigen Kohlenhydrate zu essen und nicht unbedingt die aus Getreideprodukten. Nach wie vor bin ich der Meinung, eine ausgewogene Ernährung ist besser, als jede einseitige. Auch zum Abnehmen. Und Hungern bringt gar nichts, denn dadurch wird die Fettverbrennung nur noch mehr reduziert bzw. gestört.

„Nach dem Essen sollst du ruh’n oder 1000 Schritte tun.“

Im Zusammenhang mit der veränderten Fettverbrennungsmenge durch das Ghrelin stellte sich mir die Frage, wann man denn am besten Sport betreiben sollte, um auch dabei optimal Fett zu verbrennen.

Ich bevorzuge ja das „Ruh’n“ nach dem Essen, und das nicht nur weil ein Großteil unseres Blutes nach einer Mahlzeit mit der Verdauung beschäftigt ist, das Gehirn also eine leichte Sauerstoffunterversorgung verzeichnen muss. Jetzt weiß ich, dass die optimale Fettverbrennung noch mindestens 1 Stunde auf sich warten lässt. Warum also vorher die Muskeln beanspruchen? Wenn man der Ghrelin-Wechselwirkung mit den Makronährstoffen glauben will, wartet man nach einer fettreichen Mahlzeit sogar 3 Stunden. Und bei Hunger sollte man gar keinen Sport treiben, es wäre wohl vergebene Müh‘ bei der Fettverbrennung.

 Was bewirkt Ghrelin sonst noch?

Es beeinflusst neben dem Hunger- und Sättigungsgefühl auch noch das Suchtverhalten  und die emotionale Verfassung, weil es auf das Belohnungszentrum im Gehirn wirkt. Studien zeigen, dass Ghrelin Angstgefühle und Depressionen dämpft.

Außerdem treibt Stress den Ghrelinspiegel hoch, um die Angst zu verringern oder den Mut zu erhöhen. Der höhere Ghrelinspiegel sorgt für Hungergefühle und wir beginnen zu essen. Dann oft mehr als nötig.

Und da sind wir wieder bei dick und glücklich … Nur dass der Zustand nicht von Dauer und obendrein ungesund ist. Es ist also gut, so früh wie möglich diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Anfangs funktioniert das nur über den Verstand, aber ich habe die Hoffnung, dass sich der Ghrelinspiegel mit der Gewichtsreduktion wieder normalisiert und dann auch reibungslos funktioniert.

 


Quellen: wikipedia.org, gesuender-abnehmen.com, welt.de, got-big.de


 

Meine weiteren Beiträge zum Thema Hormone und Abnehmen:

Hormone zum Abnehmen – eine kleine Übersicht

 Warum Cortisol die Diät stört – das Stresshormon

Leptin boykottiert die Sättigung – mögliche Reaktivierung

Irisin – Mythos oder Realität? – Forschungsergebnisse

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7 Gedanken zu “Ghrelin verführt uns

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