Gewicht verlieren oder abnehmen?

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Langes Wochenende bei der lieben Verwandtschaft

Drei Tage bei der Verwandtschaft = rund 1 kg plus. Schuld daran sind aber auch die Tage vor der Abreise, denn schon da hatte ich ständig Appetit und meine Gleichgültigkeit boykottierte mich fast permanent. Seit ich zurück bin klappt es mit der Disziplin wieder sehr viel besser. Das macht mir deutlich, wie sehr mich auch latenter Stress beim Essen beeinflusst.

Genaugenommen bedeutet so eine Fahrt zur Verwandtschaft für mich immer Stress, schon in der Vorbereitung. Früher war das kein Problem – da hatte ich noch bessere Nerven. Heute fordert es mich schon psychisch heraus, an alles zu denken, was eingepackt werden muss. Die Klamotten rechtzeitig gewaschen zu haben, darüber hinaus auch noch die Kleidung für den ersten Arbeitstag nach der Rückkehr … Was muss alles für unseren kleinen Vierbeiner mitgenommen werden … Geschenke, Mitbringsel, Ausgeliehenes, Verleihgut, und, und, und …

Am Tag der Abreise – ich arbeitete vormittags noch – blinkten zu allem Überfluss zwei Warnleuchten in meinem Auto auf. Glücklicherweise waren nur ABS und TCS ausgefallen war, aber sehr beruhigend ist es auch nicht gerade, so loszufahren.

Bei der Verwandtschaft dann der normale Wahnsinn: Katze und Hund vertragen sich nicht und müssen ständig im Auge behalten werden, Schwesterchen ist beinahe hyperaktiv und wuselt permanent herum, Muttern redet die ganze Zeit und selbst wenn sie nichts zu sagen hat, dokumentiert sie das, was sie gerade sieht, Schwager liegt auf der Couch und reizt einen durch seine Ignoranz und Faulheit, und nonstop läuft der Fernseher … Nur gut, dass wir auch Ausflüge gemacht haben. Da versuchte zwar unser Hund jeden anderen Vierbeiner lautstark in die Flucht zu schlagen und Muttern redete unverändert vor sich hin, aber wir waren wenigstens draußen. Man konnte sich auch mal abwenden und tief durchatmen. Oder die Augen verdrehen. Im Auto konnte man sie gut schließen und sich so weitestgehend Abstand verschaffen. Ich hätte noch ein paar Ohrenstöpsel mitnehmen sollen.

Nach drei Tagen fuhren wir wieder heim. Es war ein Sonntag und irgendwo endeten garantiert die Ferien, denn wir hatten mehrere Staus, zwei davon richtig anstrengend. Erschlagen kamen wir gegen Abend daheim an. Erst am Montag konnte ich mich richtig entspannen, vorher wuselte ich unruhig und genervt herum, als hätte das Wesen meiner Schwester auf mich abgefärbt. Ich glaube, ich werde zu alt für solche Wochenenden bei der Verwandtschaft. Aber sie gehören auch noch weiterhin zu meinem Leben, denn gerade Muttern freut sich total, wenn wir kommen. Und im Nachhinein war es die Anstrengung dann wert. Besser wäre es natürlich, sich öfter und kürzer zu besuchen, aber aufgrund der Entfernung funktioniert das einfach nicht.

Neuaufnahme der Abnahme

Die nächste Woche daheim verlief richtig super: Ich hielt mich wieder an meine Kalorien, bewegt mich im Alltag viel mehr, machte sogar jeden 2. Tag Gymnastik für die Beine (und auch Bauch und Po ein bisschen) und trainierte mit meinen Ladys-Hanteln gegen die Winke-Arme. Außerdem bemühte ich mich, die groben Regeln der Hormon-Diät zu befolgen, wenn auch nur ansatzweise. Zum Frühstück soll man sich kohlenhydratreich ernähren, Mittags ausgewogen und Abends eher eiweißlastig.

Schnell verschwand das in der Vorwoche zugenommene Kilo und dazu noch ein gutes weiteres. Ich schaffte endlich die Hundert und am nächsten Tag war ich sogar darunter! Allerdings nur für einen Tag… 600 g runter und am nächsten 500 g rauf. Naja, so schafft man auch 300 g pro Woche.

Abgenommen und verloren …

Weihnachten fahren wir wieder zur besagten Verwandtschaft. Ein bisschen motiviert mich da gerade auch meine Mutter. Sie ist so gleichgültig meiner Abnahme gegenüber, was mich doch etwas kränkt. Ist wohl das alte Mutter-Tochter-Problem. Sie meinte, ich hätte ja „ein bisschen Gewicht verloren“.

Ein bisschen??? Okay, ich war zu eigensinnig, ihr zu sagen, wie viel es inzwischen ist, da sie ja nicht nachfragte …

Verloren??? Hier reagierte ich trotzig wie ein pubertierender Teenager: „Nicht verloren, Mutti. Ich habe es abgenommen!“ – „Ist doch verloren, ist doch weg …“ – „Ja, aber verlieren passiert ohne Anstrengung oder eigene Aktivität, Abnehmen verlangt Disziplin und einen starken Willen.“ (Außerdem will man Verlorenes meistens wiederbekommen. Auf meine Kilos kann ich sehr gut verzichten.)

Kindisch, nicht? Ich weiß, aber ich rege mich darüber immer total auf, wenn sie meine Leistung so klein redet. Dabei will ich gar nicht ständig aufs Abnehmen angesprochen werden. Aber im Mutter-Tochter-Verhältnis bewerte ich das dann doch anders. Man ist genervt, wenn die Eltern einen nicht wie Erwachsene behandeln, und verhält sich selbst noch immer wie das kleine Kind … Vielleicht sollte ich an mir arbeiten und auch bei meiner Mutter erwachsen werden und entsprechend handeln. Einfacher gesagt als getan. Wo setzt man da an?

 

 

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2 Gedanken zu “Gewicht verlieren oder abnehmen?

  1. In einigen Sätzen erkenne ich mich wieder. Es hat lange gedauert, diese „Kränkungen“, die so ja nicht gemeint waren, nicht ernst zu nehmen. Man fällt sonst schnell in alte Muster und gibt dem kleinen Kind in sich zu viel Raum. Man muss seinen eigenen Weg gehen bzw. ihn rasch wieder finden. Das ist Dir gut gelungen, finde ich. Glückwunsch zur Abnahme!

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    1. Vielen Dank!
      Auf meinen nächsten Besuch bei Muttern werde ich mich mental vorbereiten und dann versuchen, so zu reagieren, wie ich es bei anderen Erwachsenen tun würde. Bin gespannt, wie gut es mir gelingt. Aber das wird schon. 🙂
      LG, Idgie

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