Ziele oder Nichtziele, das ist hier die Frage

Seit einigen Tagen mache ich mir Gedanken über meine Ziele im Allgemeinen und für das nächste Jahr. Genau gesagt darüber, ob ich mir überhaupt ein Ziel setzen soll.

Und wie ich eben die Überschriften meiner angefangenen Blog-Beiträge lese, fällt mir auf, wie eng die Themen von drei begonnenen Berichten ineinander und sogar mit der Frage nach Zielen verflochten sind. Da geht es um Selbstbewusstsein, Zufriedenheit und Wege zum Erfolg.

Seit ich mich auf dem Weg zu meinem Ziel befinde hat sich auch mein Selbstbewusstsein verstärkt. Nicht nur, weil ich abgenommen und Komplimente bekommen habe, sondern auch, weil ich mich sehr viel sicherer fühle mit dem ganzen Wissen und dem immer genaueren Kennenlernen und Akzeptieren meines Körpers. Ich bin auch etwas zufriedener geworden, weil ich mich körperlich besser fühle, beweglicher und gesünder. Aber noch gibt es da eine Menge Luft nach oben.

Im letzten halben Jahr habe ich stark mit dem Durchhalten gehadert, habe alles Mögliche ausprobiert: Low Carb, Insulin-Trennkost, weiterhin Kalorienzählen, eine Challenge-Aktion. Außerdem erfand ich die unterschiedlichsten Sportpläne, die ich immer nur ansatzweise durchgehalten habe. Inzwischen habe ich das Gefühl, auf dem falschen Weg zu sein. Die nicht erreichten Ziele und nicht durchgeführten Pläne sind für meine Zufriedenheit sehr nachteilig. Nur gut, dass ich ein tief verwurzelter Optimist bin, so schnell gebe ich nicht auf.

Neulich las ich einige Beiträge bei myMonk und begann, meine Ziele bzw. überhaupt das Setzen von Zielen anzuzweifeln. Tims Berichte motivierten mich, darüber nachzudenken, und nach einigen Tagen entstand dabei ein neues Bild.

Ich konzentriere mich ab sofort nicht mehr auf ein Endziel und auch auf keine Zwischenziele mehr. Ich weiß, dass ich weiter abnehmen möchte, aber ich weiß auch, dass ich meine Ernährung für immer gesund lassen möchte. Im Prinzip habe ich mein Ziel schon erreicht: Ich weiß, wie ich mich gesund ernähren kann. Ich weiß, was meinem Körper guttut. Ich muss nur noch so einiges zur Gewohnheit werden lassen. Und das geht mit einer einfachen Frage:

Immer, wenn ich von meiner Richtung abzukommen drohe, muss ich mich fragen, was die Konsequenzen sind, wenn ich jetzt dieses oder jenes tue oder eben nicht tue.

  • Was ist die Folge davon, dass ich diesen Schokoriegel esse oder dieses Glas Wein trinke? Ich befriedige zwar kurzzeitig mein Verlangen oder tröste mich über etwas hinweg, aber das Problem löse ich nicht; stattdessen belaste ich meinen Körper mit der Verarbeitung von ungesunden Stoffen.

Ich werde erst darüber nachdenken, bevor ich mir eine Antwort gebe. Und wenn die Antwort dann noch immer Ja ist, dann genieße ich die eine! Ausnahme und bereue es anschließend auch nicht.

[Hier fällt mir eine Stelle aus dem Film „Grüne Tomaten“ ein (frei aus meiner Erinnerung zitiert): „Überall im Haus verstecke ich Schokoriegel!“ –  „Na, ein Schokoriegel wird Ihnen wohl kaum schaden.“ – „Einer nicht, aber zehn …“]

  • Was ist die Folge davon, wenn ich statt spazieren zu gehen, zu radeln, Gymnastik zu machen, auf dem Sofa sitzenbleibe? Die Antwort ist ähnlich wie oben.

Zusätzlich mache ich mir die Vorteile klar, die ich in der Vergangenheit nach bewegungsaktiven Zeiten empfunden habe: Zufriedenheit, Entspannung, sogar Glücksgefühle. Eigentlich nur Positives. Und das will ich mir entgehen lassen?


Nun muss nur noch an diesem Vorgehen arbeiten, so ganz perfekt funktioniert es nämlich noch nicht. Aber ich halte den Ansatz für gut, und für mich fühlt es sich nach dem richtigen Weg an. Das Thema Abnehmen einfach entspannter angehen, mich nicht unter Druck setzen (oder setzen lassen) und mich mehr mit anderen Dingen beschäftigen. Weniger viel planen und mehr Zeit für Spontanität und das Leben an sich haben.

Gestern habe ich es das erste Mal umgesetzt. Ich bin mit dem Hund losgegangen und wollte nur die kleine Blockrunde machen. Als ich an der Unterführung zum Feld ankam, wandte ich mich spontan nach rechts und wir gingen dann die große Feldrunde. Das Wetter war so herrlich und sowohl mein Vierbeiner wie auch ich genossen den Spaziergang. Unterwegs entdeckte ich tolle Farbspiele in der Natur, selbst jetzt noch, wo das meiste Laub schon braun oder abgefallen ist. Und sogar drei quietschgrün leuchtende Vögel, wahrscheinlich Grünspechte – obwohl die Färbung eher nach einem Bienenfresser aussah (aber die leben hier eigentlich nicht) -, flogen kurz vor mir aus den Gräsern hoch. Solche Beobachtungen machen einfach Freude.

Nach dem Rundgang hatte ich so viel Energie, dass ich sogar noch die Bügelwäsche erledigte, das ganze Laub im Garten zusammenharkte (mein Sohn half mir dann beim Wegschaffen) und noch etwas Warmes kochte. Ich war sehr zufrieden, als ich mich abends bei einer Serienfolge entspannte und danach früher als sonst ins Bett ging.

So lässt es sich leben. Und: Tun es Kinder nicht genau so? Sie benutzen keinen Terminkalender, basteln sich keinen Projektplan und setzen sich keine langfristigen Ziele. Sie leben und genießen einfach und reagieren spontan, sind offen für alles. Das klingt doch toll, oder? Lasst uns wieder zu Kindern werden! Zumindest außerhalb des nötigen Pflichtprogramms.

 

 

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4 Gedanken zu “Ziele oder Nichtziele, das ist hier die Frage

  1. Vielleicht tröstet es Sie, aber meine Stimmung steigt und fällt mit meinem Gewicht. Und wenn ich mal ein paar Tage feiere und keine Kalorien zähle und alles esse, was mir in den Kram passt, habe ich ein schlechtes Gewissen oder mein „Ziel“ verfehlt – egal ob Wochenziel oder Monatsziel oder was auch immer.

    Man setzt sich mit dem Abnehmen und seinen Zielen total unter Druck. Ich glaube, das Problem sitzt tiefer. Leider habe ich dafür auch noch kein Patentrezept, denn ich bin fest davon überzeugt, dass das Essen nur eine Kompensation tiefer sitzender Probleme ist, die man erst lösen muss.

    Wer, so wie Sie, über 30 kg abgenommen hat, ist sicherlich kein Mensch, der seine Ziele nicht erreicht. Sie sind stark und haben viel Willenskraft. Was Sie bereits geleistet haben, ist schon mehr, als 95% der Menschen schaffen, denn nur ganz ganz Wenige schaffen, was Sie geschafft haben.

    Klar ist es frustrierend, wenn es dann mal in die andere Richtung geht und man es scheinbar nicht aufhalten kann. Ich kann Ihnen bestätigen: Es kostet unglaublich viel Kraft, das Tempo beizubehalten und nicht alles über den Haufen zu werfen. Ich suche dann verzweifelt nach Motivatoren.

    Vor 8 Monaten habe ich ein schönes Buch gelesen. Es war zwar nicht so wissenschaftlich wie „Fettlogik überwinden“, aber es ist ein sehr humorvolles Buch, wo man sich in vielen Situationen wiedererkennt und wiederfindet. „Die Fettlöserin“ von Nicole Jäger. Ich habe Tränen gelacht.

    Und wenn es mal einen Tag nicht klappt, dann verschiebt sich eben alles um 1 Tag. Die Welt wird davon nicht untergehen. Ab und zu ein „Cheat Day“ ist gut für die Seele 🙂

    In diesem Sinne wünsche ich ein schönes, erholsames und stressfreies Wochenende!

    LG Tezum

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  2. Hi Idgie, vielleicht noch was, was Dir gut tut:

    Du bist ab morgen bei uns 1 Woche lang „Der Blog der Woche“! 🙂

    Das heisst, eine Woche lang stehst Du auf jeden Fall auf der Startseite und ab da wird dein Blog in den AbspeckBloggern besonders hervorgehoben. (das morgen im Laufe des Tages)
    https://kochkatastrophen.blogspot.de/p/abspeckblogger.html

    Und wenn ich mal nicht dazu komme, einen neuen Blog der Woche zu küren, dann bist Du in einer Rotation und wirst ebenfalls wieder präsentiert. 🙂

    Auf der Seite „Blog der Woche“ stehst dann natürlich auch ab morgen:
    https://kochkatastrophen.blogspot.de/p/abnehm-blog-der-woche.html

    Vielen Dank nochmal, dass Du die AbspeckBlogger bei Dir verlinkt hast!

    Viele Grüße,
    Marc

    Gefällt 1 Person

    1. Lieben Dank! Das freut mich total und ich fühle mich sehr geehrt!
      Und es motiviert mich tatsächlich, auch wenn ich die 95 wohl nicht mehr schaffen werde.
      Vielen Dank, dass du auch auf meine Website usw. verlinkst.
      Liebe Grüße, Idgie

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