Leidenschaft und Zufriedenheit

Da bin ich nun seit Monaten auf der Suche nach mehr Zufriedenheit, analysiere mich auf alle möglichen Arten und Weisen und zweifele schon an meinem gesunden Menschenverstand, weil ich einfach nicht greifen kann, was ich verändern sollte. Und auch verändern möchte.

Ich suche nach etwas, das mich erfüllt. Etwas, das ich mit meiner ganzen Leidenschaft machen möchte und machen kann. Als ich noch jünger war, habe ich so Einiges getan, einfach weil ich es wollte. Mit keiner dieser Aktionen war ich wirklich erfolgreich, zumindest nicht in dem Sinne, wie unsere Gesellschaft Erfolg misst, aber die Tätigkeiten erfüllten mich und ich war mit ganzem Herzen dabei. Ich war zufrieden.

Und heute? Ich denke zu rational, aus vielen äußeren Umständen heraus hat sich das eingeschlichen. Das emotionale Entscheiden habe ich in all den Jahren der Verantwortung und Vernunft verlernt. Das wurde mir vor kurzem klar. Natürlich kann und will ich die äußeren Umstände nicht drastisch verändern, aber ich kann deren Wichtigkeit herabstufen.

Meine Eltern fragten immer nach dem Erfolg, und zwar nur nach dem wirtschaftlichen. „Kannst du nicht auch mal so einen Erfolgsroman schreiben wie Harry Potter?“ „Warum schreibst du denn, wenn du nichts davon veröffentlichst?“ „Frag doch mal im Geschäft XY, ob sie deine gebastelten Karten verkaufen.“ Und die beste Frage, die ich mehrmals zu hören bekam, wenn Irgendjemand mit einer Geschäftsidee reich wurde: „Warum fällt dir sowas nicht ein?“
Das hat mich bestimmt geprägt über all die Jahre.

Von diesem Denken verabschiede ich mich jetzt. Doch das Unterbewusstsein braucht da noch eine sehr viel längere Zeit, befürchte ich. Es ist auch nicht so ganz einfach, das zu finden, was der eigenen Seele entspringt. Selbst im kreativen Bereich habe ich mich lange Zeit fremdsteuern lassen, sowohl beim Schreiben, wie auch beim Basteln. Jetzt wird es Zeit, mich dort auszutoben, wo ich mich wohlfühle.

Um etwas zu schaffen, soll man seine Komfortzone verlassen. Bisher habe ich das nicht getan. Ich verfolge zwar meine Interessen, aber ich blieb in meinen komfortablen vier Gewohnheits-Wänden. Wie weit ich mich hinauswage wird sich zeigen. Neue Impulse benötige ich auf jeden Fall, das verdeutlichte sich während meiner kleinen Auszeit.

Ich bemühte mich in der Öffentlichkeit freundlicher auszusehen, mehr zu lächeln und den Menschen offen gegenüberzutreten. Und siehe da, ich kam mit netten, fremden Personen ins Gespräch. Mit einem Mann unterhielt ich mich am öffentlichen Bücherschrank über Bücher, Literatur und Flohmärkte. Einen alten Herrn am Gartentor vertrieb ich während einer Gassirunde mit ein wenig Smalltalk die Langeweile. Und nach jedem solcher Gespräche fühlte ich mich besser gelaunt. So kam mir der Verdacht, dass ich doch zu wenig unter die Menschen gehe. Ich tue es noch immer nicht gerne, aber wenn ich „zwangsweise“ mit Fremden rede, denke ich darüber gar nicht nach und empfinde es auch nicht als negativ.

Dann ging es zu unserer alljährlichen Vereins-Weihnachtsfeier, zu der ich nur wenig Lust hatte, da ich sonst nichts mehr im Verein mache und das ganze Jahr über kaum jemanden treffe. Ich hatte neutrale Laune, war also für alles offen. Der Abend wurde richtig schön. Ich kannte zwar einige Leute nicht und habe sie auch nicht wirklich kennengelernt, aber viele der Alten begrüßten mich, als hätten sie mich erst letzte Woche gesehen. Ich fühlte mich vollkommen dazugehörig, obwohl ich mich seit Jahren so rar machte. Und im Laufe des Abends verfestigte sich dann ein Gedanke: Ich mache wieder die Club-Nachrichten, so wie früher, bevor unser Sohn auf die Welt kam. Ich möchte wieder mehr dabei sein, denn es gibt so viele liebe Menschen im Verein, die mir noch immer sympathisch sind.

Plötzlich spürte ich die Euphorie wieder in mir glühen. Und während meine Ideen reiften, wurde immer deutlicher, dass das etwas wäre, das mich zufrieden macht. Ich kramte gleich den alten Vorlagenordner hervor und amüsierte mich köstlich. Meine ersten Club-Infos hatte ich noch mit Schreibmaschine getippt, Bildchen und Witze aufgeklebt und das Ganze dann kopiert, schwarz-weiß natürlich nur. Überhaupt kann man an den alten Unterlagen sogar die Computerentwicklung ablesen. Eine Zeitlang verfasste ich alles mit dem Commodore und danach kam dann der erste PC mit sehr viel mehr Gestaltungs-Spielraum. Und nun, rund 20 Jahre später, wird alles bunt sein, beinahe wie eine Zeitung aussehen und wahrscheinlich kaum noch ausgedruckt sondern vermehrt als PDF verschickt werden. Da merkt man, wie die Zeit vergeht und wie rasant die Technik sich entwickelt.

Sorry, ich schweife ab …eule

Dieses Jahr werde ich also gezielt und vermehrt unter die Menschen gehen. Bewaffnet mit Kamera und mentalem Notizbuch. Für mich ist das auf jeden Fall ein Verlassen der Komfortzone, und ich bin zuversichtlich, dass es mich weiterbringt und auch meine Zufriedenheit zurückkommt. Ich bin schon jetzt gespannt auf das Feedback, das aus den Vereinsreihen hoffentlich kommt, und wer weiß? Vielleicht schaffe ich es ja tatsächlich, durch mehr Information und Kommunikation zwischen Jung und Alt, dem Verein einen Aktivitätskick zu verpassen. Dann hätte ich sogar ein wenig die Welt verändert …  XD

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6 Gedanken zu “Leidenschaft und Zufriedenheit

  1. Du hast einen Weg für dich gefunden.. das ist schön, und freut mich zu lesen..
    Diese blöden Sätze früher… -für was ist das gut-, das könntest du doch auch mal…blablaaa so hinderlich.. nichts möglich ohne dass es in irgendeiner Art Wettkampf oder messen mit anderen enden durfte.. vielleicht waren die Eltern früher einfach so..
    Eine Arbeitskollegin ( sie ist 54) sagt neulich, dass sie jetzt lerne Saxophon zu spielen.. das fanden einige Kollegen befremdlich.. wozu das denn.. das schaffst du nie so gut zu werden, dass du auftreten kannst.. blablaaa.. und sie sagte.. will ich auch gar nicht.. ich mache das weil es mich freut und ich das schon immer wollte. bravo !Es muss uns selbst freuen… uns aus dem Herzen entsprechen..
    Bin gespannt was du weiter berichtest.. Alles Gute für den Weg
    Gruss
    S.

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  2. sich auf den Weg machen, nochmal neues oder auch altes neu betrachten, ich glaube das ist mehr als so manch einer je erreichen wird. schwierig finde ich es aber auch seinen eigenen Weg zu finden doch du scheinst einen für dich guten weg gefunden zu haben, was daraus wird…ist doch spannend das nicht schon jetzt zu wissen:-) lieben Gruss M.

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