Trennung Phase 2 – Gefühlschaos

Die vergangenen Monate vergingen rasend schnell, da ich so richtig dem Aktionismus verfallen war. Nachdem ich das erste Etappenziel erreichte, kehrte Ruhe ein, die sich in schlagartiger Aktionslosigkeit und Unmut äußerte. Ich ging zur Arbeit, war genervt. Ich kam nach Hause und empfand es nicht als Zuhause, ich hing herum und meinen Gedanken nach, wollte was anderes und wusste nicht was.

Nach einigen Wochen war mir klar, so geht es nicht weiter. Ich zwang mich dazu, mehr für mich zu tun, alte Hobbys wieder aufzugreifen. Anfangs wirkte es zwanghaft auf mich, doch nach und nach spüre ich die alte Entspannung wieder. Zumindest phasenweise. Es ist noch ein weiter Weg.
Ich trauere dem Haus und dem Garten, dem alten Wohnort sehr nach. Dann mischt sich die Wut über die Tatsache dazu, dass ich meinem Noch-Mann von meiner Rente was abgeben muss. Aber all der Zorn nützt ja nichts. Deshalb beschloss ich, aktiv die Trennung zu verarbeiten, damit ich diese negativen Gefühle loswerde. Ich kann an der deutschen Rechtsprechung nichts ändern, also warum meine grauen Haare darüber noch weißer werden lassen?!

Buch-Matisek-Frau-goennt-sich

Aktuell lese ich neben der „dunkeln Turm-Reihe“ von Stephen King das Buch „Frau gönnt sich ja sonst nichts“. Bisher gefällt es mir recht gut, da ich mich in vielen Punkten wiederfinde. Doch so langsam frage ich mich, wann da die Tipps kommen, die ich mir erhofft hatte. Bisher ist es lediglich die Trennungsgeschichte von Frau Matisek.
Übrigens zitiert sie zum Thema Scheidungshunde die „Deutsche Jagdzeitung“: „Das unwichtigere Rudelmitglied zu vergessen, schafft der Vierläufer schnell. Im Rudel gibt es auch in der Natur Abgänge. Was es aber in der Wildnis nicht gibt, ist einmal die Woche Rudelmitglied und zurück.“
Absolut alltagsuntauglich dieser Rat, wenn man sich im Guten trennt und durch Kinder sowieso auf immer verbunden bleiben wird, mal mehr, mal weniger. Das meint auch die Autorin.

Laut Psychologie gibt es nach einer Trennung vier Phasen: Nicht-wahr-haben-wollen, Gefühlschaos, Neuorientierung, Auf-zu-neuen-Ufern.
Die erste Phase habe ich übersprungen, unsere Beziehung verschlechterte sich ja langsam aber stetig. Derzeit befinde ich mich in Phase Zwei, wenn auch nicht ganz so extrem, wie man im Netz lesen kann. Trotzdem habe ich immer wieder diese Wut in mir, dann Gedanken wie, dem werde ich zeigen, was ich jetzt aus meinem Leben mache, aber auch Mutlosigkeit lässt sich regelmäßig bei mir blicken. Es ist alles so anstrengend. Dazu kommt noch, dass ich keine Prioritäten setzen kann. Warum nur kommt nicht eine gute Fee und beamt mich zu einem Zeitpunkt, an dem mein Leben wieder läuft und ich weiß, wo ist stehe und was ich tun möchte?
Irgendwo las ich den Tipp, man solle sein bisheriges Leben aufschreiben; das Reflektieren soll bei der Orientierung helfen und einen wieder klar sehen lassen. Ich überlege, das wirklich zu tun, denn schreiben möchte ich sowieso, komme aber nicht in meine Geschichten rein. Bestimmt hilft das tagtägliche Tippen meiner Biografie auch dabei, generell in Fluss zu kommen. Den Schreib- und Lebensfluss. Das wäre schön.

Liebe Grüße,
eure Idgie

 

PS: Die Scheidung habe ich inzwischen eingereicht. Jetzt warte ich auf die Gerichts-Rechnung, denn die rühren keinen Finger, bevor sie nicht Geld gesehen haben.

 

 

Ein Kommentar zu „Trennung Phase 2 – Gefühlschaos

  1. oohhh… ich kenne das Gefühl. Zumindest teilweise. Und es stimmt, aufschrieben was einen bewegt kann sehr gut helfen. ich tue dies mit meinem Blog. Nicht professionell aber es tut richtig gut…
    Es wird sich alles zeigen, auf Regen folgt Sonne.

    Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.